Maria Herrmann

Mehr als Internet

»Und wo arbeitest du jetzt?« »In einer Art Entwicklungsabteilung meines Bistums«, antworte ich.

Die Veränderungen, die unseren kirchlichen Strukturen und Ekklesiologien bevorstehen, sind grundlegend. Es geht nicht (mehr) (nur) um kosmetische Anpassungen, oder um neue Medien und Zielgruppen. Fundamentalere Überlegungen sind zu leisten über Formen und Inhalte. Und über das Verhältnis von Tradition und Innovation. Über das Selbstverständnis des Volkes Gottes. Dies ist mein Auftrag, mein Dienst: Darüber mit anderen gemeinsam nachzudenken und dabei zu helfen Formen kirchlichen Lebens und Seins zu begründen oder neu zu beleben. Einen neuen Blick zu ermöglichen auf den Reichtum, der uns geschenkt ist und von dem aus wir andere beschenken dürfen. Um gemeinsam eine Vision einer Zukunft zu entwickeln und zu teilen und weiter zu entwickeln.

Republica. Für viele eine Internetkonferenz, die in diesen Tagen in Berlin stattfindet. Für mich ist sie etwas anderes. Denn ein Wort fällt fast in jedem Gespräch, überall egal ob Session, Keynote, Workshop: Es geht immer um Zukunft. Die Republica ist für mich eine Zukunftskonferenz.

Ebenso wie sich die Zukunft eines Bistums nicht daran ausrichtet, eine Facebook Seite optimal zu bespielen, so sind Social Media hier nur ein Themenbereich unter vielen anderen. Wichtig und relevant sind Themen wie Umwelt & Nachhaltigkeit, Inklusion, Partizipation, Stadtenwicklung, Gesellschaft & Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit, Erziehung und Bildung - ja und auch Business und Marketing und all das, was gerade uns Kirchen hin und wieder Bauschmerzen bereitet.

So ist die Republica mehr als ein Best Practice Online Stammtisch: Das Internet ist unsere Grammatik, oder wie Gunter Dück es mal ausgedrückt hat: Das Betriebssystem. Unser gesellschaftliches Betriebssystem, das es wahrzunehmen und mittlerweile Grund zu legen gilt, wenn man über Zukunft nachdenkt.

Republica. Staat. Gesellschaft. Die öffentlichen Dinge. Ganzheitlich gedacht. So die wörtliche Übersetzung aus dem Lateinischen. Res publica.

Da höre ich in einer Session etwas über Apokalypsen und Visionen. Darüber wie wir den Mut haben sollten, vor allem letztere zu teilen. Anderen zugänglich zu machen. Und so die Zukunft in die Hand zu nehmen. In einer anderen geht es um Urban Exploring. Darum wie inspirierend es ist, mal die Perspektiven zu wechseln und was das für eine Wertschätzung schafft. Und in wieder einer anderen erfahre ich etwas darüber, wie wichtig es ist beim Nachdenken über Zukunft die Stadt besonders in den Blick zu nehmen. Dabei denke ich an eine Stelle in der Offenbarung, einen der Apokalyptischen Texte der Bibel. Und an diese eine kleine Stelle aus Evangelii Gaudium.

Deshalb bin ich hier und sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, so viel (kennen) zu lernen. Ich freue mich auf zwei weitere, inspirierende Tage und hoffe die Zeit zu finden, etwas mehr darüber zu schreiben.

Schließen ( ESC )