Maria Herrmann

Nur ein Buch weit weg

Ein paar Dinge vermisse ich aus meiner Selbstständigkeit überhaupt nicht: Alleine zu arbeiten zum Beispiel. Und Steuererklärungen. Manche Dinge habe ich einfach weiterhin übernommen. Meine Fähigkeit überall zu arbeiten und die Vorliebe für das Experimentieren. Aber anderes vermisse ich wirklich sehr.

A Book Apart zum Beispiel: Eine selbstständig publizierte Serie von Buchbänden im Zusammenhang mit verschiedenen Themen das Webdesign betreffend – von konkreten Techniken und Handlungsorientierungen, hin zu mehr organisationstheoretischen oder kulturellen Themen, wie der Umgang mit Kunden und Klienten, oder das Bestimmen der eigenen Preise (Hast du schon mal nachgedacht, wie viel eine Stunde deiner Arbeit wirklich wert ist? – Wenn man sich einmal diese Frage gestellt hat, hat man fürs Leben gelernt!). Bei A Book Apart erscheinen gleichzeitig Bücher, die man mal gerne zum Käsekuchen liest, die aber auch unter einer Schreibtischlampe zu finden sein können. Praxisorientiert, aber niemals reine Arbeitsbücher. Und dabei immer bemüht grundlegende Prinzipien festzuhalten, um sie so darzustellen, dass auch zukünftige Veränderungen sich darin wiederfinden können. Über die Kurzlebigkeit dieser doch speziellen Branche hinweg.
So etwas wünsche ich mir auch für theologische Fragestellungen. Und heute Abend wünsche ich es mir einmal »laut«.

Ja, es gibt verschiedene Reihen (ich denke da an die ignatianischen Impulse, die bei mir einen ganzen Regenbogen in meinem—sonst eigentlich nach Farben sortierten — Bücherregal abbilden). Es gibt sie auch, die theologischen Zeitschriften, gerade welche mit Praxisbezug und in hervorragender Qualität. Ja, es gibt auch theologische Online-Magazine, mit feinschwarz.net sogar ein wirklich überzeugendes. Aber mir fehlen »Wendigkeit«, »Leichtigkeit« ohne trivial zu werden, das Wissen um die implementierte Halbwertszeit in den Konkretionen, aber dennoch der Versuch Essentielles so herauszuarbeiten, dass es langfristig Inspiration und Schwarzbrot sein kann.

Mir fehlt eine Art ökumenischer Reclam-Reihe für Kirchenentwicklung und Theologie mit smarter Veröffentlichungsstrategie.

Und mir fehlen dazu vor allem zeitgemäße Veröffentlichungskonzepte, wie ich das eben bei A Book Apart wahrnehmen kann. Kluges und smartes, da schlankes und effizientes Vermitteln von Inhalten über einen direkten Vertrieb, ohne lange Wege über andere Anbieter. Direkt von der Autorin, dem Autor über das Kollektiv an die Leserin, den Leser. Da die Community selbst aus Menschen besteht, die mal mehr, mal weniger etwas mit Webdesign zu tun haben, verbreiten sich die entsprechenden Veröffentlichungen viral und über persönliche Empfehlungen. Die Website braucht keinen Katalog und keine Messe, hin und wieder vielleicht eine kleine Konferenz, aber das auch mehr um der Community einen konkreten Ort zu bieten.

Viel mehr noch gefällt mir aber die konkrete Art der Veröffentlichung, nämlich in dem Format das gewünscht ist: ohne übertriebenen Aufwand, in unaufgeregtem aber bestimmten Design, dazu digital oder in den wundervollen kleinen Büchern aus Papier – und wenn du willst, geht natürlich auch beides.
Oh ja, genau so etwas vermisse ich. In der Reihe würde es dann vielleicht geben: Ein kleines Buch über kreative Liturgien. Ein etwas dickeres, aber nicht zu großes über Mission. Eines über gewaltfreie Kommunikation. Eines über Teams und Leitung. Eines über Charismen und Gaben. Eines über Innovation. Eines über Stundengebete. Eines übers Scheitern. Eines über induktives Lernen. Eines über Whisky, Wein und die Bibel. Und vielleicht eines über Kommunikation und Kirche. Ja, das wäre was…

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