Maria Herrmann

Digitale Kirche – Kirche digital.

»Das wichtigste ist das Bemühen, kein Arschloch zu werden. (…) Solche Menschen mit ihren Problemen nicht ernstnehmen. Und Freunde – ich sage euch: Das ist schwerer, als es sich liest. Aber wenn der Kleine nüchtern ist, ist er ein ganz netter Kerl. Da steckt viel Gutes in ihm drin. Liebenswertes. Hoffnungmachendes. Da kennen wir auch ganz andere Gesellen, die agressiv und gewalttätig sind oder einfach nur dämlich-man kann es nicht anders sagen. An deren Liege du stehst und den Telefonhörer am Anschlag hältst, um die Polizei zu holen- wenn es Not tut. Die gibt es auch in Hülle und Fülle. Aber der Kleine gehört nicht dazu. Bis er das nächste Mal kommt. Hackedicht mit irgendwas. Sabbernd und greinend. Und du dir wieder denkst: Alta! Erbarmen. Mit mir/uns und dem kleinen Spack!«

Das sind die Worte von Inge Wollschläger. Als Notaufnahmeschwester schrieb sie bis zum letzten Jahr über ihre Erlebnisse in einer Würzburger Notaufnahme in ihrem Blog. 2017 erhielt sie dafür den Goldenen Blogger. Sie schreibt heute noch erkennbar als Christin an allen Ecken und Enden im Leben von anderen. Alta! Erbarmen!

Da sind die Instagram Bilder von Lisa Leitlein, die als Hebamme in Berlin arbeitet. Sie ist Christin. Auf ihren Bildern sieht man das manchmal, zum Beispiel an der Ikone in ihrer Küche. Und man ahnt, dass es auch die Familien zu spüren bekommen, mit denen sie am Anfang eines neuen Lebens arbeitet.

Da ist aber auch Ragnar Heil, der Manager. Für ein Microsoft Partnerunternehmen, denkt er über neue Formen der Arbeit nach. Work out loud, digitale Transformation und Arbeit 4.0 eben. Und an den wenigen ruhigen Wochenenden zuhause geht er in die Kirche. Da sieht man ihn und seine Familie auf den Bildern bei Twitter und Instagram. Beim Kirchenkaffee.

Ich habe mir für heute vorgenommen, Sie auf diese Menschen und ihre Geschichten aufmerksam zu machen. Und auf das, was mir durch sie wichtig geworden ist. Das ist vielleicht nicht das, was Sie sowieso schon vermehrt an vielen Stellen nachlesen können. Und viel besser als ich es heute formulieren kann. Zum Beispiel: Was es ethisch zu reflektieren gibt in Sachen Digitalität. Warum Pastorinnen und Pastoren unbedingt einen YouTube Kanal brauchen, und die Kirche »Influencer«. Oder nicht. Aber auch warum digitale Veränderungsprozesse Teil der Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit von Kirchgemeindebüros sind.

Mein Blick ist heute allerdings darauf gerichtet, wie sich Kirche und ihr Selbstverständnis durch digitale Transformationen verändern kann – und wie sie es bereits schon längst tut in den Zeiten einer liquiden und emergenten Gesellschaft. An drei Punkten will ich das festmachen: (...)

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