Maria Herrmann

Ein kleiner Gott

In einer meiner Gesprächsrunden der letzten Wochen über Zukunft und Aufbruch der Kirche stand eine Frage im Raum: Was ist das eigentlich für ein Gott, der hier mit seiner Kirche unterwegs ist? Ist er ein Gott der Veränderung, des Wandels, des Aufbruchs, der Schöpfung, der Kreativität? Ein Gott, der eine(n) durch die Wüste ziehen lässt? Einer, der aus Wasser Wein macht? Einer, der aus etwas Brot und ein paar Fischen Tausende satt bekommt? Einer, der Tote weckt? Einer, der die Mächtigen stürzt?

Ganz langsam, aber immer deutlicher hatte ich persönlich einen anderen vor Augen: Ist es nicht ein kleiner Gott? Und plötzlich war er da: Der Gott, der einen zaghaften Schritt macht. Ein Gott der kleinen Anfänge. Er tut dies gewissermaßen heimlich, still und leise. Mit (beinahe) Banalem verändert er Welten. Mit für Menschen Alltäglichem, das doch alles auf den Kopf stellt. Ein Gott der Details. Einer, der entgegen kommt. Dabei vielleicht erst einmal gar nicht erkannt werden will. Ein weihnachtlicher Gott also.

Doch dann sind es nicht die Üblichen, die Mächtigen und die Lauten, die jubelnd an der Krippe stehen. Es sind eben die Menschen des Alltags und in besonderer Weise auch die Fremden, die das Neue buchstäblich sehen wollen und können. Und wenn ich so darüber nachdenke, spüre ich eine gewisse kindliche Vorfreude, in welcher Form und wem der Herr auch zukünftig in Erscheinung treten will.

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