Maria Herrmann

Im Grunde gut

»Im Grunde gut«, schreibt der niederländische Historiker Rutger Bregman, ist der Mensch. Sein Buch unter diesem Titel findet sich seit Wochen in den Bestseller Listen. Es ist ein inspirierender, leider heute ganz ungewöhnlicher Ansatz, Mensch und Welt erst einmal – eben – von Grund auf, positiv und gut zu sehen. Es macht mich nachdenklich, warum sich das so gut verkaufen lässt. Denn sind wir mal ehrlich: Der Buchmarkt ist umstritten. Da muss ein Buch schon eine ungewöhnliche, packende und neue Geschichte erzählen.

Bregmans Geschichte ist alles das, denn das Buch erschien in einer Zeit voller Zynismus. Und dieser Zynismus ist Gift. In der Gesellschaft, wie in der Kirche. Aber vor allem im Leben. Mit Zynismus kann man nichts gewinnen, aber viel verlieren. Lust und Laune. Freude und Dankbarkeit. Perspektive und Kraft. Und den Geschmack am Leben. Ich glaube fest daran, dass das Ankämpfen gegen Zynismus eine der wichtigsten Aufgaben in diesen Tagen ist.

Schreiben wie das kürzlich aus Rom lesen sich für mich vor diesem Kontext auch beim wiederholten Male absurd – und sogar selbst zynisch. Dann denke ich wieder daran, dem Zynismus nicht die Macht zu überlassen, die ihm nicht zusteht. Ich will den Text lesen und in seinem Kon-Text stehen lassen. Lieber was daneben und dazu stellen, als mich in einem Aber gefangen nehmen zu lassen. Und am ungewöhnlichen und packenden Guten weiterarbeiten.

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