Maria Herrmann

Keine rechtsfreien Räume

Es gibt wenige Bücher, die mich in meiner Arbeit in den letzen Jahren so beeinflusst haben, wie der kleine Vortragsband »Zeit der Orden?« von Johann Baptist Metz. Der Theologe entfaltet in diesem Text vor über 40 Jahren vor einer Versammlung aller Ordensoberen in Deutschland das Bild christlicher Nachfolge: Sie muss sich sowohl an einer pulsierenden Spiritualität wie einem Wirken in der Welt messen lassen. Deswegen trägt der Band auch den Untertitel »Zur Mystik und Politik der Nachfolge«. Prägend wurde er für mich nicht nur aufgrund seiner inhaltlichen Stärke: Metz erinnert daran, dass es (mindestens) eine andere Wirklichkeit der Kirche neben den Pfarreien und Bistümern gibt. Kirche ist mehr und das Neue entsteht nicht selten außerhalb dieser Strukturen.

Vor kurzem veröffentlichte jene Ordensoberenkonferenz erste Zahlen im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt in ihren Reihen. Das kann nur ein Anfang sein. – Es bleibt jedoch auch der Anspruch aus dem alten Vortragsband bestehen, selbst wenn dort von Machtmissbrauch noch nicht die Rede war. Wenn Kirche sich neu auf den Weg macht in egal welcher Tradition oder Form, ob innerhalb eines Bistums, als Orden, Gemeinschaft, Gebetshaus – oder in ganz neuen Weisen gilt: Die Prävention aller Formen von Machtmissbrauch und Transparenz müssen der Maßstab sein. Auch neue Formen von Kirche dürfen dahingehend keine rechtsfreien Räume sein.

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