Maria Herrmann

Schönheit ist Seelsorge

Neulich dachte ich daran, wie gerne ich wieder einmal nach Rom reisen würde. Ich mag die Stadt, mag ihre Plätze, ihre Museen und ihre Kirchen. Wenn ich an Rom denke, denke ich an kleine, alltägliche Straßenecken, Plätze und Cafés, aber eben auch an die “großartigen” Orte: Petersdom, Lateranbasilika, Vatikanische Museen.

Diese kirchlichen Orte, zu denen unter normalen Umständen viele Menschen aus der ganzen Welt reisen (und pilgern), sind geprägt durch die Kunst ihrer Zeit. Kaum jemand hat das Bild dieser Stätten so sehr geprägt wie die Künstler, die sehr (selbst-)bewusst durch die Kirche beauftragt wurden. Die Stadt Rom ohne das Wirken eines Michaelangelos bspw. wäre eine andere.

Lange Zeit trug die Kirche sehr bewusst Sorge für die Kunst, heute scheint mir das ganz anders zu sein: In diesen Wochen und Monaten stehen Künstlerinnen und Künstler vor großen Herausforderungen. Aufträge und Auftritte sind weggebrochen, Reserven aufgebraucht. Die Sorge der Kirchen um die Kunst ihrer Zeit ist hingegen nicht wahrnehmbar.
Vor ziemlich genau 1000 Jahren wirkte der Heilige Godehard als Bischof in dem Bistum für das ich arbeite. Ein Satz wird ihm zugeschrieben, der in diesem Zusammenhang leitend sein kann: “Schönheit ist Seelsorge.” Beides wäre gerade so notwendig, beides zusammen stünde nicht nur in guter Tradition, sondern wäre einmal mehr zukunftsweisend.

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