Maria Herrmann

Zeitreise

Manchmal mache ich in meinem Job eine Zeitreise. Dann kann ich schon jetzt erleben und darüber staunen, wie neue Formen von Kirche entstehen. Darüber, wie vielfältig das Evangelium in das konkrete Leben von Menschen übersetzt wird. Darüber wie sich in Gärten, leeren Pfarrhäusern, Kaufhäusern und Kneipen Menschen zusammentun, Gott loben, danken und bitten. Einander Schwester und Bruder werden, um Salz und Licht in der Welt zu sein. Davon, wie Leitung in solchen neuen Gemeinschaften Teamarbeit ist. Und welche Rollen Frauen dabei einnehmen. Wie klar sie ihren goldenen Kern, ihr »Warum?«, ihre Mission haben.
Dabei fällt mir auf, dass »die Kirchen« und ihre Leitenden zur Zeit einen großen Fehler machen können: Davon auszugehen, dass es das Zukünftige, das Neue (noch) nicht gibt. Theologisch ist das interessant, weil suggeriert, dass Gott mal eben auf eine Pause-Taste drücken kann. Als ob die heilige Geistkraft sagen könnte: »Macht mal für einen Moment ohne mich weiter!« Bis sie wieder – ganz offiziell – in die Steuerungsgruppe eines Innovationsprozess berufen wird.
Aber aus allem, was man in der Bibel lesen und, ja auch, in der Tradition und Geschichte sowie mit gesundem Menschenverstand erkennen kann, ist das Gott-sei-Dank ziemlich anders. Dies führt zu einer theologischen Frage: Welches Gottesbild zeigt sich eigentlich, wenn von der Zukunft der Kirche die Rede ist?

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